Stubai Ultratrail: Laufend von Innsbruck bis rauf auf den Stubaier Gletscher ;)


©wisthaler.com

Urban2Glacier – das Motto des Stubai Ultratrails hätte nicht besser gewählt werden können. Start inmitten der Olympiastadt Innsbruck, Ziel auf 3.150m Seehöhe im ewigen Eis des Stubaier Gletschers. Dazwischen liegen 65km feinste Trails, mit knackigen Anstiegen, coolen Downhills und genialen Höhenwanderwegen.

Kurzentschlossen, auf Grund eines Radsturzes vor mittlerweile vier Wochen noch nicht ganz „in shape“, hab ich mir die Premiere inkl. der 5.115 Höhenmeter rauf bis zur Jochdohle am Stubaier gegeben, und wurde nicht enttäuscht!

Freitag 19:00 Uhr, Neustift im Stubaital: Die Startnummernausgabe für die erste Ausgabe des Stubai Ultratrails ist voll im Gange. Zahlreiche bekannte Gesichter tauchen auf, irgendwie hat man das Gefühl die ganze PLAN-B Familie (Event Agentur und Veranstalter von Transalpine Run, 4-Trails, Zugspitz Ultratrail & co.) ist am Start. Als dann gegen 21:00 Uhr das Race Breefing mit dem Einzug der Nationen beginnt, kommen alte Erinnerungen hoch! Da wären meine beiden Transalpine Run Starts, oder meine Teilnahmen bei den 4-Trails. Allesamt beginnen mit einer Fahnenparade ;)

Schnell wird klar, dass in gut vier Stunden der Start Richtung Gletscher fällt, und das 65km Unterfangen kein Honiglecken werden wird. Beim Punkt Wetter, mittlerweile regnet es im Stubaital, lauschen die gut 300 Ultratail Starter angespannt dem Streckenchef. Zu Wochenbeginn waren ja noch 30cm Neuschnee für Samstag am Stubaier Gletscher vorhergesagt, aber nun scheint die Prognose besser zu sein. Bis zum frühen Vormittag sollte es trocken bleiben, und die Veranstalter machen keinen Hehl daraus, dass sie das Ziel ganz oben auf der Jochdohle haben wollen. Sehr gut denke ich mir, und stecke mir das Ziel gegen Mittag die Jochdohle zu erreichen.

Nach einem kurzen Power-Nap im Auto, geht es um 23:00 Uhr mit dem Shuttle in die Olympiastadt Innsbruck, wo um 01:00 Uhr direkt vor dem Landestheater der Start für die Premiere des Stubai Ultratrails fällt. Der Start verläuft im neutralisierten Modus, so bleibt auch ein wenig Zeit für’s Sightseeing, bevor es entlang des Flussbetts durch die Sillschlucht bis zum Stubaier Taleingang geht. Unter uns rauscht der reissende Bach, über uns hört man die Brummer der Brennerautobahn, aber wir laufen mit unseren Stirnlampen traumhafte Trails entlang. Noch nicht ganz wach, passiert mir einige Meter hinter der Spitze laufend ein kleiner Fehler, und ich verlaufe mich gemeinsam mit einem weiteren Mitstreiter. Nach ca. zwei Kilometern blicke ich auf meine Suunto Spartan und bemerke den Fehler! Was nun!? Wir machen kehrt, und nehmen den ersten „bergaufführenden Notausgang“. Zum Glück führt uns dieser wieder an die Laufstrecke, jedoch hängen wir nun in der großen Verfolgergruppe fest. An ein Überholen ist hier nicht zu denken ist. Mir ist’s egal, schließlich fehlt mir eh noch ein wenig der Saft in den Beinen, und so genieße ich den stetig steigenden Trail Richtung Telfes/Stubaitail.

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In Telfes angekommen, beginnt der erste ernste Anstieg zum Schlicker Boden bzw. weiter zur Starkenburger Hütte. 1.250 Höhenmeter sind auf 14 km zu bewältigen. Ich komme gut voran, auch weil ich mittlerweile mit Hannes Rainer einen steirischen Landsmann stets vor bzw. hinter mir habe, und wir uns gut pushen können. Im Morgengrauen laufen wir die Passage Schlicker Boden – Starkenburger Hütte und ich schwebe auf Wolke 7. Ich bin schon viele lässige Trails gelaufen, aber diese Passage ist echt genial! Ein Trail der  Extraklasse. Würde es ein Weltkulturerbe für Trails geben, dieser Abschnitt wäre dabei! Vielleicht war es aber auch nur die Stimmung am Berg mit leichtem Schneefall, dem herannahendem Tage… egal, es war echt genial!

Der Downhill von der Starkenburger Hütte runter nach Neustift ist nicht weniger fein, und „es läuft“ wieder. Ich entschließe mich aber trotz eines gewissen Geschwindigkeitsüberschusses die Gruppe vor mir nicht zu überholen. Schließlich fehlen mir ja noch einige Trainingskilometer und es warten ja noch einige Höhenmeter bis ins Ziel. Ganz langsam sind wir aber eh nicht, und nach 4h23m erreichen wir nach 34km und etwas mehr als 2.000hm in den Beinen Neustift im Stubaital.

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Die Labestation in Neustift koste ich voll aus. Dort fallen mir erstmals zwei „einheimische Mitstreiter“, die scheinbar keine Energie verbraucht haben, oder zumindest keine Labe benötigen, auf. Sie laufen einfach weiter…

Gerade mal 700 Höhenmeter warten auf den nächsten 20km von Neustift bis zur Mutterberg Talstation Stubaier Gletscher. Eigentlich perfekt um ein wenig Tempo zu machen, aber meine Beine sind nicht mehr die Besten. Hannes und ich pushen uns gegenseitig, auch weil wir uns mittlerweile ein wenig über diese „Stubaier Labestationsverweigerer“ ärgern. Die Jungs lassen nämlich fast jede Labe aus, aber auch nur deshalb, weil sie ständig von einem Radfahrer umkreist werden, der als fahrende Labe auftritt. Ich hatte letztes Jahr beim Hochkönigman schon mal ein ähnliches Erlebnis, und meine Meinung hierzu ist ganz klar: Unsportlichkeit pur! Verflegung an der Strecke ist okay, aber mitlaufen, mitfahren, etc. ist etwas für die Radfahrer und nicht für uns Trailrunner. Hier gilt eine teilweise Selbstautonomie! Sorry Jungs, aber das kann gar nichts!

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Ab der Mutterberg Talstation (54km) – hier starten die Seilbahnen auf den Stubaier Gletscher – geht das Rennen in die heiße Phase. Wer jetzt noch Körner hat, ist klar im Vorteil. 1400 Höhenmeter auf weniger als 10 km, mit einem fulminanten Schlussanstieg in gerader Linie den Gletscher hoch bis zur Jochdohle warten auf uns Läufer. Wobei an Laufen kaum noch zu denken ist. Schnelles Gehen ist angesagt. Ich drücke mich Meter für Meter hoch, erreiche die Dresdner Hütte in guter Verfassung, und ärgere mich anfangs noch über die verpflichtende, lange Bekleidungsvorschrift des Veranstalters ab diesem Punkt. Schnell schlüpfe ich also in meine Salomon Bonati Überhose, und laufe weiter Richtung ewiges Eis. Nun rechtfertigt sich aber diese Vorgabe, denn die Temperaturen sinken ganz ordentlich mit zunehmender Höhe.


Als ich zwei Kilometer vor dem Ziel noch zwei Kontrahenten den Vortritt lassen muss, trauere ich ein wenig meinem Trainingsrückstand nach, aber nur kurz. Der Gletscher fordert mich einerseits extrem, andererseits erlebe ich auch ein Hoch der Gefühle. Als ich bei strahlendem Sonnenschein schließlich die Jochdohle erreiche, und nach 9h24m auf P12 ins Ziel laufe – nein gehe – ist die Welt für mich in bester Ordnung. Gleich hinter mir kommt Hannes ins Ziel, der – nach einem kleinen Einbruch zwischendurch – gegen Ende hin noch mal ordentlich aufgeholt hat.


Fazit!?
Wie gesagt Urban2Glacier trifft´s ganz gut, hervorheben muss man aber die echt geniale Streckenführung. Die ersten 34 Kilometer von Innsbruck bis nach Neustift im Stubaitail haben alles, was das Herz eines Trailrunners begehrt, dazwischen geht’s auf flotten Trails Richtung Talschluss, und die letzten 10 Kilometer sind so knackig, dass man sie mit Sicherheit nie vergessen wird. Trailrunning pur, wenn auch echt hart!!!

Die ab 13:00 Uhr witterungsbedingte Verlagerung des Ziels um einige Höhenmeter nach unten ging voll in Ordnung. Ich gebe zu, ich hätte bei dieser Wetterprognose schon am Vortag mit einer Streckenänderung gerechnet. Die Veranstalter aber blieben cool und mutig, und haben so uns schnelleren Läufern einen Zieleinlauf auf der Jochdohle ermöglicht. DANKE an dieser Stelle für den Mut & Aufwand. Ich komme mit Sicherheit wieder ;)

Sportlich!?
Hab ich mein Ziel – eine lässige Trainingseinheit für mein Fernziel UTMB – ein klein wenig verfehlt, da ich zu schnell hierfür unterwegs war. Bzgl. Nahrungsaufnahme, -konzept hab ich mir viel Zeit an den Labestationen gelassen und intensiv getestet. Dies gilt auch für meine Schuhwahl, die mit dem Salomon S-LAB Sense Ultra nicht besser hätte sein können. Bericht hierzu folgt asap!

Ergebnisse Stubai Ultratrail 2017!

3 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Super Bericht ☺ Danke fürs teilhaben lassen an diesem coolen Rennen und alles Gute für dein weiteres Training! LG Astrid

  2. Gratuliere zu der top Leistung !! Dein Bericht gibt einem das Gefühl als wäre man selbst live dabei !

    Lg Papa

  3. Tja Papa! Jetzt kannst dir ein wenig vorstellen, was da auf dich im September beim UTMB zukommt. Für die 170km wird ein Tag nicht ausreichen, und werde jeden nur möglichen Support benötigen ;)))

    \Bernd

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