Running Zuschis Vision eines „weltumspannenden Frauenlauf Netzwerk“

Edit Zuschmann alias

Running Zuschi

Edith Zuschmann, besser bekannt als „Running Zuschi“, freie Journalistin, lebt und arbeitet in Klagenfurt. Die geborene Niederösterreicherin stammt aus einer fast gänzlich unsportlichen Winzerfamilie. Das hat sie nicht davon abgehalten, sich dem Sport zu verschreiben.

Wir führen unser Gespräch via Skype – trotz einiger technischer Komplikationen. Ich sitze in Buenos Aires, Zuschi hat es sich im Lehrsaal im Bundessportzentrum in der Steiermark bequem gemacht. Sie absolviert gerade die Ausbildung zum Kinder- und Jugend Instruktor in der Bundes-Sportakademie in der Steiermark. Der Kurs ist ein weiteres Puzzle-Stück in Ediths Engagement als Gründerin des Club 261. Sie möchte Mädchen und Frauen jenes Selbstbewusstsein vermitteln, das sie selbst aus ihrem sportlichen Engagement in ihrer Jugend gezogen hat.

Die sportliche „Karriere“ der Niederösterreicherin begann über Umwege. Die Winzerfamilie werkelte mehr im Weingarten als sich um sportliche Ambitionen zu kümmern.

Wer noch Zeit und Kraft zum Sportln hat, der hat nix gearbeitet.

Frei nach diesem Motto war Sport eben einfach kein Thema daheim. Nur Ediths Oma war eine begeisterte Schwimmerin und nahm ihr Enkelkind auch regelmäßig zum Schwimmen mit. Der aufkeimende Bewegungsdrang von Edith konnte so gestillt werden. Mit 13 Jahren fing sie an, Schwimmen ernsthafter zu betreiben. Obwohl die Eltern sie nicht dazu ermunterten, zog Edith den Leistungssport mit allem Drum und Dran, wie Training, Internat, Wettkämpfe etc. durch. Heute meint sie darüber:

Das war ein Geschenk für mich! Man lernt sich selbst über den Sport sehr gut kennen.

Bis zum 19.Lebensjahr dauert die aktive Zeit im Schwimmsport an. Mit Beginn des Studiums war einfach keine Zeit mehr für das aufwendige Training. Dennoch musste die überschüssige Energie irgendwohin. Laufen stellte sich als ideale Alternative heraus: ohne großen Aufwand kann man überall schnell laufen gehen. So richtig zum Laufsport kam Zuschi dann über ihre Freunde und den Bekanntenkreis.

Sport ist für „Running Zuschi“ eine wichtige Form, um überschüssige Energie los zu werden und den Kopf frei zu bekommen. Dabei standen schon immer mehr Ausdauersportarten im Vordergrund. Skifahren hätte die Flachländerin zwar interessiert, allerdings war Pistenfetzen auf Grund fehlender Berge schwer möglich. Neben dem Schwimmen formte das Winzerleben die Einstellung zur Bewegung und zur Natur.

Die Natur bietet einen wunderbaren Spielplatz – so bin i aufgewachsen.

Vorbilder gab es nicht, jedoch prägten „Schlüssel-Begegnungen“ die sportliche Entwicklung. Bereits beim Schwimmen beschäftigte sich Edith intensiv mit Leistungsdiagnostik, was zu jener Zeit noch nicht üblich war. Schwimmtraining bestand aus Kilometerfressen und Krafttraining. Beim Laufen und besonders beim Training für die Marathon-Distanz profitierte sie von dem Wissen, dass sie sich in ihrer Jugend angeeignet hatte. Dagmar Rabensteiner, selbst Medizinerin, die sich mit Leistungsdiagnostik beschäftigt, lief zu der Zeit (2003) einen neuen Marathon Rekord in Berlin. Bei ihr holte sich Edith Trainings-Tipps und vor allem Motivation für das neue Projekt „Laufen“. Neben Dagmar Rabensteiner war auch die Organisatorin des österreichischen Frauenlaufs, Ilse Dippmann, eine Begleiterin am Weg zum ersten Marathon. Am 10.Oktober 2004 folgte schließlich die erfolgreiche Feuerprobe beim Chicago Marathon.

Es kommt sehr stark von mir heraus.

Viele Menschen trugen zu Ediths „Lauf-Geschichte“ bei, jeder davon war ein weiterer, inspirierender Baustein. Ihre persönlichen Highlights sind Interviews mit den Lauflegenden Paula Radcliff und Haile Gebrselassie.

Im Gespräch mit Paula Radcliff - Photo Horst von Bohlen

Im Gespräch mit Paula Radcliff – Photo Horst von Bohlen

Eine weitere Wegbegleiterin, nämlich die erste Frau, die überhaupt einen Marathon gelaufen ist, Kathrine Switzer, inspirierte Edith besonders. 1967 waren Frauen nicht für die Marathon Distanz zugelassen. Kathryn lief 1967 unter ihrem Namens-Kürzel und fiel so als Frau erst während des Rennes auf. Sie lief durch das Ziel, obwohl die Event-Leitung sie aus dem Rennen nehmen wollte. Die Presse bekam den Vorfall mit und die Geschichte ging um die Welt. Kathrine hatte die Startnummer 261 – eine Zahl, die seit diesem Ereignis für den Mut dieser Frau beim ersten Marathon steht. Edith lernte Kathryn Switzer im Rahmen ihrer Arbeit kennen. Die beiden verstanden sich auf Anhieb bestens und Kathryn motivierte Edith, einen lang gehegten Wunsch in die Realität umzusetzen: die Erfahrung mit und durch den Sport aus der eigenen Jugend an junge Frauen weitergeben.

Laufen ist eine Lebenseinstellung.

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Im Mai 2012 folgte der Startschuss des Projektes, gemeinsam mit dessen Mentorin Kathrine Switzer die zum dem Zeitpunkt in Österreich zu Besuch war. Der Name des Vorhabens: Club 261 – natürlich!. In null Komma nix fanden sich Gleichgesinnte, die die Idee mittrugen und das Coaching der Mädls übernahmen. Landesrätin Prettner unterstütze das Vorhaben mit einem Taschengeld – das erste Budget für den jungen Verein, der Ende 2012 offiziell gegründet wurde, um langsam auf eigenen Beinen zu stehen. Dass die Idee gut ankommt, davon zeugt die Verbreitung via Mundpropaganda und via Facebook Aktivierung. Aktuell gibt es 60 aktive Mitglieder, Tendenz stark steigend. Seit diesem Jahr gibt es einen zweiten Lauftreff, ein dritter soll spätestens 2014 folgen.

Die Vision?

Ich will ein weltumspannendes Frauenlauf Netzwerk aufbauen.

Was jeder schon mal erlebt hat, der in eine neue Stadt gezogen ist oder auf Reisen war: Sport verbindet. Mit anderen Sportbegeisterten ist man schnell im Gespräch, man findet immer Gemeinsamkeiten und die Wellenlänge passt oft auf Anhieb.

Beim Sport bist gleich per Du.

Ein Frauenlauf Netzwerk hätte ich beispielsweise hier in Buenos Aires auch gerne als Einstieg gehabt. Wo kann man laufen gehen? Wo finde ich Gleichgesinnte? Egal in welcher Stadt man ist, es ist doch toll, wenn man sich mit Menschen austauschen kann. Es geht Edith auch darum, Mädchen und junge Frauen zu motivieren, etwas Neues auszuprobieren,selbstsicher.. hinaus in die Welt zu gehen.

Im Club zählt nicht, wer die schnellere Zeit läuft. Es geht nicht darum, besser zu sein, sondern eine Anlaufstelle zu haben, über die man Anschluss findet.

Ich will keine Leistungssportler da drin haben.

An erster Stelle steht der Spaß miteinander, was aber keinesfalls sportliche Leistung ausschließen soll!

Club 261 Trainer

Club 261 Trainer

Die Umsetzung der Idee fordert mehr als blanken Idealismus, das ist Edith vollkommen klar. Es braucht Kontakte, die die Philosophie des Clubs auch leben. Der Mann an Ediths Seite, Horst, hat dazu eine Ausbildung für Coaches entwickelt. Sein psychosozialer Hintergrund prädestiniert ihn natürlich dafür. Sein „Train the Trainer“ Programm soll zu einem weiteren Standbein des Vereins werden. Einerseits, um damit die Idee in ganz Österreich zu verbreiten, aber auch, um zur finanziellen Absicherung beizutragen. Zusätzlich gibt es eine Teilförderung des „Fonds für gesundes Österreich“.

Du brauchst nicht nur Idealismus, sondern Knödel!

Der Vorstand des Club 261 besteht aus 6 Personen, die vollkommen unterschiedliche Hintergründe haben, jedoch ist allen die Vision an die sie glauben und die sie leben, gemeinsam.

Die Mitglieder sind bunt gemischt von 8 bis 56 Jahre alt, wobei Edith ein „Loch“ zwischen 16 und 24 unbedingt füllen möchte und nach Wegen sucht, genau diese Zielgruppe abzuholen.

Kleine Erfolgsgeschichten aus der Clubgeschichte: Eine junge Frau, die nach ihrer Schwangerschaft keine 100 m laufen konnte, läuft nach 3 Monaten 1h durch.
Drei Teenager Mädls aus ganz unterschiedlichen Schulen wurden zu besten Freundinnen über den Club 261.
Eine junge Frau war mit ihrem Job unzufrieden und unsicher, wie sie weiter machen soll. Jetzt reist sie 6 Wochen allein durch Asien.

Da ziagts ma die Ganslhaut auf – genau so soll der Club sein.

Tatsächlich sind diese kleinen Erfolgserlebnisse sehr beeindruckend. Edith ist felsenfest davon überzeugt, dass die Erfahrung mit der Bewegung auch viel im Kopf bewegt. Und damit liegt sie mit Sicherheit goldrichtig. Dass es gemeinsam leichter ist, etwas zu bewegen, davon zeugt auch die starke Unterstützung von Horst. Mit ihm gemeinsam sind viele Teilbereiche des Projektes möglich geworden – wie eben die „Train the Trainer“ Ausbildung.

Es gibt immer einen Weg, so lange du daran glaubst!

Wer sich für die Lauftreffs in Kärnten interessiert: alle aktuellen Infos gibts auf der Facebook Seite des Club 261.

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