VERTICAL UP – Die Schlacht auf der Streif

VERTICAL UP! Das bedeutet die vereiste Streif mitten im Winter bergauf zu bezwingen! Egal wie, egal womit gilt es, die original Strecke der härtesten Abfahrt der Welt von unten nach oben zu bewältigen. Die Ausschreibung liest sich spannend, aber das Rennen bietet noch viel, viel mehr…

Ziel von STREIF VERTICAL UP ist es die original Streif mit 3,312 km und 860 Höhenmeter vertikal so schnell als möglich zu bezwingen. Der „Clou“ an der ganzen Geschichte sind die Regeln! – es gibt keine!

Freie Materialwahl solange ALLES aus eigener Kraft angetrieben wird (kein Motor) und freie Streckenwahl auf der Streif (Speedklasse) bzw. auch auf der Familienstreif (Rucksackklasse)!

  • Läufer mit Spikes haben gute Chancen, solange die Strecke hart und griffig ist…
  • Langläufer mit Fellen haben gute Chancen, doch was ist wenn die Technik fehlt…
  • Skibergsteiger / Tourenskiläufer haben gute Chancen, doch können sie im steilen Gelände genug Vorsprung herausholen…
  • Schneeschuhe- und Steigeisengeher: haben gute Chancen, doch können Sie auch   im flachen Gelände den Speed umsetzen…

Die Tatsache, dass sich die Streif auch 4 Wochen nach dem Hahnenkamm Rennen noch als einzige Eisplatte präsentiert, macht das Rennen erst so richtig interessant. Alleine was sich vor dem Start um 18:30 Uhr abspielt, ist die Kitzbühel-Reise wert. Die knapp 450 Starter versuchen sich bei eisigen -10° warm zu halten, laufen hin und her oder beginnen wie wilde Pferde rumzuspringen. Jedem ist die Anspannung ins Gesicht geschrieben, auch mir, hab ich doch die extrem eisige Streif am Nachmittag auf Skiern begutachtet.
Über den „Materialsektor“ könnte man einen eigenen Bericht schreiben, von Touren- und Langlaufskiern mit Fellen, über Schneeschuhe, Schuhe mit Schneeketten bis hin zu präparierten Laufschuhen gibt’s auch geniale Exoten wie Sprinter- oder Fussballschuhe zu bestaunen. Auch gesehen wurden „normale Turnschuhe“, wobei ich mich hier der Meinung eines Tiroler Mitstreiters „Eh klor, die Piefke san wieder deplatziert mit de Turnpatschn‘ am Berg unterwegs“ anschließe.

Endlich fällt der Startschuss! Mit Adrenalin vollgepumpt geht’s mit Vollgas trotz des breiten Startbereiches in die ersten Positionskämpfe. Zielhang und Zielsprung stellen kein großes Problem dar, jetzt geht’s in die Traverse… Etwas zu weit hinten gestartet, zieht sich vor mir eine langsamer werdende Lichterkette nach oben. Was tun – in der Spur bleiben und den entstandenen Stufen folgen, oder kann ich mich mit meinen selbstgebauten Salomon Speedcross „Supergrip“ Schuhen auf’s blanke Eis wagen und überholen? Ich versuch’s mit Überholen und siehe da, meine Salomon’s halten – und wie!!! Einzig meine Stöcke könnten „schärfer“ sein, die gehen das eine oder andere Mal leer durch. In der Traverse kann ich Position um Position gut machen, bis zur „Seidlalm“ schaffe ich’s, ein größeres Loch zuzulaufen, um in der „Alten-Schneise“ weiter zu überholen.
Schön langsam merke ich, dass ich richtig gut drauf bin, und noch Reserven hab. Bis zur „Steilhangausfahrt“ gelingt es mir erneut, Boden gutzumachen, und ein Loch zuzulaufen. Im Steilhang biege ich dank des Tipps eines „Locals“ und dem Bewusstsein, dass meine Schuhe richtig gut halten, gleich links ab und nimm die direkte Linie…
Jetzt bewährt sich mein Material erneut, und ich kann Konkurrent um Konkurrent überholen, ab der Steilhangeinfahrt (irgendwie lustig von unten nach oben zu kommentieren) hört man den Lärm der Zuschauermengen im Zielbereich. Aus dem Lautsprecher vernehme ich irgendwie, dass gerade eben der 11 platzierte ins Ziel gelangt ist. Ein Blick nach vorne zeigt mir, das ich nicht schlecht liege und gebe weiter Vollgas. Gepusht durch den Lärm der zahlreichen Zuschauer geht’s die Mausefalle (85% Steigung) pfeilgerade hinauf. Jetzt nur nicht ausrutschen, und vor allem nicht zurückblicken, auch wenn mir die Konkurrenz im Nacken sitzt…
Geschafft!!! Nach etwas mehr als 42 Minuten komme ich als 30. ins Ziel (Siegerzeit 34′), wo mich Christina, die sich beim Anfeuern fast die Stimmbänder ruiniert hätte, bereits erwartet. YEEEESSSS!

Spannende Materialdiskussionen gab’s auf der Party danach, wo mit dem Team von Bergsport Überall fleißig gefeiert wurde. Immerhin konnte das Team zwei Siege (Speedklasse Damen & Teamwertung) und einige Spitzenplatzierungen verbuchen.

Ergebnisse, weitere geniale Bilder, Videos etc. gibt’s auf der VUP Seite.

VERTICAL UP – Kitzbühel, 23.02.203

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