„Abstecher“ nach Chile – Valparaiso und Santiago

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Die Idee war es, über Chile nach Bariloche zu fahren. Aber in Südamerika kann sich schnell alles ändern. Bernds arbeitsbedingte „Rück-Hol-Aktion“ nach nur drei Wochen machten eine Planänderung unumgänglich. Aber der Reihe nach: Von Mendoza ging es über den beeindruckenden Andenpass und durch das Skigebiet Portillo nach Santiago de Chile.

Die Grenzkontrolle für die Einreise nach Chile ist zeitaufwendig, sehr genau und dann doch wieder irgendwie „südamerikanisch“. Man darf weder Früchte, noch Wurst oder ähnliches einführen. Das gesamte Gepäck wird also aus dem Bus geladen und durch den Scan geschickt. Hunde hüpfen schnüffelnd zwischen den Gepäckstücken herum – das ist schon die ganze Unterhaltung, während man geduldig wartet und Formulare ausfüllt. Nach der Prozedur, die sich über eine Stunde hinzieht, steigen wir in den Bus ein, um festzustellen: unsere entsorgten Äpfel und die Salami sind immer noch im Bus, im Mülleimer. Sehr eloquent das Ganze also – typisch südamerikanisch!
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In Santiago bin ich überwältigt vom Chaos, der neuen Währung mit jeder Menge Nullen und der „neuen“Sprache. Die Chilenen haben durchaus einen andere, viel rasantere Aussprache. Ich verwende nach 4 Monaten wieder mal entspannt meine Kreditkarte (weil der Chilenische Peso auch keine „Dollar Blue“ Variante hat) und auf gehts mit dem nächsten Bus nach Valparaiso. Mitten in der Nacht kommen wir dort ziemlich k.o. an. Vom Taxi aus lässt sich schon erahnen, dass die einst wichtige Hafenstadt ihre besten Zeit bereits hinter sich hat.
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Der Eindruck bestätigt sich am nächsten Tag. Ahnungs- und durchaus planlos landen wir schließlich im Hafenviertel und werden von einem Einheimischen dezent darauf aufmerksam gemacht, dass wir das Viertel zackig wieder verlassen sollen, weil es viel zu gefährlich ist. Als wir den nächsten Hügel in Angriff nehmen (Valparaiso liegt auf zig Hügeln verteilt), befragt uns ebenfalls sehr dezent ein Polizist, wohin wir wollen, denn hier ist kein Gebiet für Touristen – viel zu gefährlich. Langsam aber sicher beschleicht mich ein durchaus unangenehmes Gefühl, dass sich bei genauerem Hinsehen – die Baracken auf dem Hügel sehen tatsächlich nach extrem ärmlichen Verhältnissen aus – verstärkt. Selbst in Buenos Aires habe ich nie so ein ungutes Gefühl gehabt.

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Die Markthalle ist dann noch mal ein Highlight und zwar in jeder Hinsicht: laut, stinkend, chaotisch mit einer Mischung aus Autos, Menschen, Hunden. Dennoch essen wir in der Markthalle im ersten Stock, denn im Hostel hieß es, hier gibts das beste Essen. Und tatsächlich verspeisen wir eine riesige Portion ausgezeichneten Fisch. In dem Viertel, in dem das Hostel liegt, sind die Wellblech-Häuser nicht nur bunt gestrichen, sondern vor allem mit Graffitis eindrucksvoll geschmückt. Ich wandere durch die Strassen und fühle mich wie in einer Art-Gallery! Und das macht eigentlich den „Vibe“ dieser einst wichtigen und heute mehr und mehr verfallenen Hafenstadt aus. Die Stadt gehört übrigens zum Weltkulturerbe der UNESCO.
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Den Pazifik vor der Nase aber keinen Zugang abgesehen vom Hafen, ein Problem von Valparaiso. Mit dem Stadtbus ist man jedoch in 15 Minuten in Vina del Mar, dem „Miami“ von Chile. Ziemlich unspektakuläre und nicht all zu schöne Hochhäuser reihen sich an einander, Chilenische Urlauber bevölkern den Strand und das einzige Highlight ist tatsächlich die abendliche Flutwelle an der Promenade, die unter heiterem Gelächter bestaunt und fotografiert wird. Wobei wir wohl das Wetter-Glück hatten, ein wohl selteneres Schauspiel erleben zu dürfen.
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Santiago de Chile ist eigentlich mehr die Drehscheibe für die weitere Reise und kein weiteres Highlight. Ein kurzer Spaziergang durch die Stadt genügt. Generell beschleicht mich der Eindruck, dass Chile noch mal 10 Jahre hinter Argentinien liegt – rein subjektiv, wenn man die Läden und die Menschen so beobachtet. Zumindest Plateau Schuhe bleiben einem hier erspart. Dafür sieht die Mode nicht mal mehr wie Mode aus – wie gesagt, mein rein subjektiver Eindruck! Die Chilenen selbst sind übrigens nicht ganz so zugänglich wie die Argentinier, aber auf den zweiten Blick genau so hilfsbereit und freundlich. Von Santiago gehts per Flugzeug ganz in den Süden, nach Punta Arenas. Eigentlich war der Plan ein anderer, aber auch Bernd muss leider schmerzhaft feststellen: in Südamerika läuft nix nach Plan. Und manchmal daheim in Österreich leider auch nicht…

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Fotos, Valparaiso-Chile

1 Kommentar » Schreibe einen Kommentar

  1. Da habt ihr Gott sei Dank Glück gehabt, daß euch nichts passiert ist. Ich finde es immer wieder erstaunlich wie naiv viele reisende Menschen sind und sich auf ihre Reisen kaum vorbereiten.
    Einen tollen „Vibe“, wie ihr es so schön schildert, finde ich hat Valparaiso überjaupt nicht. Verfallen, überall verschmiert mit hässlichen Graffitis und hohe Kriminialität. Warum sollte man sich so etwas hässliches ansehen wollen.
    Und bei Vina del Mar schreibt ihr es sei ziemlich unspektulär mit „nicht allzu schönen Hochhäusern“. In Vina del Mar ist aber zumindest der Strand und der Blick aufs Meer sehr schön. Interessant ist immer wie sehr Menschen sich von Klischees beeindrucken lassen. Die Copacabana bietet auch nur unansehnliche Hochhäuser aber da würden allen schwärmen „aaaaaah die tolle Copacabana“ nur weil das Marketing irgenwann mal die Copacabana gehypt hat und sie in ein paar Liedern besungen wird. Für mich ist zwischen Copacabana und dem Strand in Vina del Mar kein großer Unterschied ausser der sehr unterschiedlichen Mentalität der Menschen die diese Strände bevölkern. Hässliche Hochhäuser gibts an beiden zuhauf.

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