Argentinische Vanillekipferl – Weihnachten bei 36 Grad in Cordoba

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Weihnachten bei Hitze ist nichts Neues für mich. Bereits 2008 feierte ich den Heiligen Abend chillig mit den Haxen im Sand auf Fiji. Hier in Argentinien hat es die letzte Woche Rekordtemperaturen von über 35 Graf gegeben. Viele Wohnungen sind ohne Strom weil einerseits die Aircondition auf Vollgas laufen und Strom fressen Ende nie. Andererseits brennen zum Teil die Kabeln im wahrsten Sinne des Wortes einfach durch. Weihnachtliche Stimmung kommt in Flip Flops und kurzer Hose also nicht so recht auf.

Die recht magerer Beleuchtung und Deko in den Straßen ist erst in der letzten Woche massiv mehr geworden, sie hält sich aber im Vergleich zu Europa in Grenzen. Ich persönlich finde das sehr angenehm. Im Stress sind zwar irgendwie auch alle, vor allem weil das Schul- bzw. Studienjahr zu Ende geht und die Sommerferien beginnen, aber die Feier an sich läuft hier ganz anders ab, weniger „besinnlich“. Die meisten Familien machen ein großes Asado (also eine „Grillerei“) und am 24.12 am Abend ist DER Abend um mit Freunden Party zu machen, denn jeder ist in dieser Nacht unterwegs. Am 25.12 wird noch gechillt, aber am 26.12 arbeiten schon wieder alle.

Ich werde in diesem Jahr Weihnachten in Cordoba verbringen. Meine ehemalige WG-Kollegin Clara hat mich zu sich nach Hause eingeladen. Ihre Familie ist riesengroß, redet und lacht viel und gern. Ich bin schon gespannt auf den Pool im Garten und das Asado! Mein Gastgeschenk entpuppte sich allerdings als Mega-Projekt: typisch österreichische, selbst gemachte Vanillekipferln.
Es fangt damit an, dass man hier nicht ganz die gleichen Zuateten bekommt wie daheim. Dank eines sehr gesprächigen Verkäufers im Supermarkt, mit dem ich mich 30 Minuten über Mietpreise, Österreich und Mehr unterhalte, finde ich mehr oder weniger alles, was ich brauche. Tatsächlich gibt es Staubzucker – nur das spanische Wort kenne ich nicht. Also umschreibe ich es als „Zucker der wie Mehl aussieht“ – die Erklärung funktioniert. Die Mandeln gibts nicht gemahlen und Vanille nur in Form eines flüssigen, künstlichen Fläschchens. Das alles schreckt mich nicht ab Unverdrossen zerhack ich mit einem Messer eine Stunde lang Mandeln und schwitze dabei wie ein Esel.
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Die nächste Challenge stellt sich in Form der nicht vorhandenen Waage in der Küche. Dank einer kleinen Umfrage in der Heimat löst sich das Problem recht rasch, und ich schaufle 10 gestrichene Löffel Zucker auf den vorhandenen Mehlberg. So, der Teig ist ready, ich bin auch fertig schon schwant mir, dass ein Gasbackofen zum Problem werden könnte. Wie schaltet man so ein Gerät „ein“?
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Die Google Research hilft nicht weiter, zahlreiche Versuche, das Feuerzeug in diverse Öffnungen zu halten, enden ebenfalls erfolglos und mein WG Kollge antwortet auf mein verzweifeltes, spanisch gewurschteltes SMS auch nicht. Oder versteht die Frage einfach nicht!? Also ab mit dem Teig in den Kühlschrank und warten, bis wer den Ofen aktiviert. Dann geht alles flott, denn Gas gibt Gas! Mit hochroter Birne turne ich in Surfshorts und T-Shirt zwischen Ofen und Nudelbrett herum. Der Duft ist fast der gleiche, aber das Drum herum doch ganz schön anders. Aber ok. Juan, mein argentinischer WG Kollege, vom Duft angelockt, freut sich jeden Falls wie ein kleines Kind über meine „Vanille Stangerl“ und Vanille Brösel – hübsch sind sie ja nicht, aber schmecken tun sie offenbar! Bin schon gespannt, wie sie in Cordoba ankommen… Feliz Navidad!

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