Buenos Aires Aus- und Ansichten

20131008-224950.jpgDie argentinische Metropole Buenos Aires ist flach wie eine Palatschinke. Kein Hügel, keine Erhebung und kein Aussichtsturm gibt den Blick auf das Chaos von oben frei.

Die offiziell nur 202 Quadratkilometer große Stadt bildet den Kern einer der größten Metropolregionen Südamerikas, dem Gran Buenos Aires mit etwa 13 Millionen Einwohnern. Sie streckt sich heute rund 68 Kilometer von Nordwest nach Südost und etwa 33 Kilometer von der Küste nach Südwesten aus.

Ich liebe es, egal wo ich bin, mir einen Überblick zu verschaffen. Sei es der Gipfel von dem aus man die Umgebung erkunden kann oder ein Aussichtspunkt – ich kann stundenlang den Blick und die Gedanken schweifen lassen. Tja, nur leider ist das in Buenos Aires nicht so einfach.
Dank Cristina von Connecting Worlds Argentina fand sich doch noch eine Möglichkeit, meine Sehnsucht nach „freier Sicht“ zu stillen. Der Club Alleman in der Avenida Corrientes hat sein Büro im 24.Stock und Charly Schlottman vom Verein war so nett, mich einzuladen, die geniale Aussicht zu genießen. Zudem führte ich ein spannendes und sehr aufschlußreiches Gespräch mit ihm über die aktuelle politische und wirtschaftliche Lage in Argentinien. Neben der wachsenden Kriminalität ist auch die Koruption en massives Problem. Die Mittelschicht verdient durchschnittlich magere 6000 Pesos, was rund 750 Euro entspricht. Die Preise sind hier jedoch die gleichen wie in Europa!

„Den Menschen geht es schlecht.“

Während einige wenige Geld ohne Ende schaufeln, hanteln sich die anderen mit viel Kreativität durchs Leben. Ich teile mit Clara die Wohnung – einer 31 Jahre alten Lehrerin. aus Cordoba, die den ganzen Tag lacht. Sie vermietet ein Zimmer, manchmal sogar auchihr Schlafzimmer unter und finanziert sich damit die Miete. Obwohl sie gut ausgebildet ist, lebt sie für unsere Verhältnisse wie eine Studentin. Dennoch engagiert sie sich in einer Non-Profit Organisation in ihrer Freizeit um Schulen für Kinder zu renovieren. Ich habe den Eindruck, dass Menschen in Buenos Aires kreativer mit ihren Möglichkeiten umgehen und es mehr um ein miteinander geht. Da es an allen Ecken und Enden an allem fehlt, hilft man sich unter einander und hat einen anderen Fokus als beispielsweise wir in Mitteleuropa. Es steht viel weniger kommerzieller Genuss im Mittelpunkt als kulturelle Aktivitäten. Am Sonntag besuchte ich ein Kino, das Independend Filme, aber auch Blockbuster zeigt – das Ganze in einem top Kino um sage und schreibe 8 Pesos (umgerechnet 1 Euro!!!!!). Die zahlreichen Theater sind rappelvoll und die Eventkalender für ein Wochende ca. so dick wie bei uns für ein Jahr. Die Menschen sind belesen und jeder spricht über seinen Lieblingsautor. Die Buchhandlungen führen sehr viel europäische Literatur. Vielleicht ist dies auch ein verzerrtes Bild – jedoch erlebe ich Menschen in meinem Alter, mit ähnlicher Ausbildung genau so. Genau das ist aber auch das Spannende an meiner Südamerika Erkundung. Diesen Alltag und diese Einsichten bekommt man als Urlauber nämlich nicht.

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Fast drei Stunden habe ich die Aussicht genossen, zig Fotos durch die staubigen Fenster gemacht und schließlich einen genialen Sonnenuntergang erlebt. Wahnsinn – ich bin einfach aus dem Staunen nicht heraus gekommen. Das Chaos, der Lärm, die Massen an Menschen, der Schmutz, die kaputten Straßen, die zum Teil auseinander fallenden Häuser – das Alles gefällt mir auf eine ganz eigene Art. Die Stadt hat Charakter. Das ist es.

Fotos, Buenos Aires von oben – 08.10.2013

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