La Boca, Hipodromo – viele Welten in einer Stadt

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Die dritte Woche in Südamerika hat bereits begonnen und es fühlt sich an wie eine Ewigkeit. Die schwankenden Temperaturen, von sommerlich heiß bis herbstlich kühl und das innerhalb von kurzer Zeit, begünstigen rinnende Nasen und kratzende Hälse. Meine Ungeduld beim Spanisch Lernen wächst, denn ich möchte so gerne mit den Menschen hier quatschen. Alle sind offen und sehr kontaktfreudig. Aber ich hab ja noch einige Monate Zeit…

Dieses Wochenende stand La Boca am Programm. Ein großer „organic market“ im Viertel war der Ausgangspunkt der Erkundungstour. Und obwohl es feine Sachen zum Essen gab – so richtig würzig schmeckt hier nix. Gewürze sind nämlich nicht gerade die Stärke der Argentinier. Sie legen einfach keinen Wert darauf. Ein bissl Salz ist das höhste der Gefühle. Zum gegrillten Fleisch – dem Asado – gibts auch keine Saucen und maximal einen Salat als Beilage. Trennkost pur!

Per Pedes ging es dann Richtung touristischen Mittelpunkt (in Buenos Aires) zumindest ist das mein persönlicher Eindruck. Ehrlich, touristischer gehts wirklich gar nicht mehr. Das Angebot an Ramsch-Läden und Touri-Restaurants überschlägt sich im wahrsten Sinne des Wortes beinahe. Nicht so ganz meines. Das Viertel wurden von italienischen Einwanderen aus Genua gegründet. Die Hafenarbeiter bauten aus Wellblech ihre Häuser und bepinselten sie mit der Farbe, die von den Fischerbooten über blieb. Das Stadion der berühmten Mannschaft „La Boca“ verdankt ihre gelb-blaue Farbe der Tatsache, dass gerade ein schwedisches Schiff im Hafen vorbei fuhr. Generell ist die Umgebung wie eine andere Welt. Buenos Aires unterscheidet sich von Viertel zu Viertel – das konnte ich ein weiteres Mal fest stellen.

Einen chilligen Sonntag verbrachte ich im Hipodromo in Palermo und sah das erste Pferderennen „in natura“. Bunt gemischtes Publikum – von der Oma mit dem Wettheft in der Hand, bis zu Teenagern mit Popkorn-Tüten in der Hand, klassische Wett-Typen und Familien mit kleinen Kindern – fieberte bei den Rennen mit. Bei der Zielgeraden wurde es auch schon mal lauter – schließlich gehts um die Wettgewinne! Markaber an der ganze Sachen: hinter dem noblen Hipodrom, gleich hinter der Zugstrecke zeigt sich eine ganz andere Welt, abseits von den Schönen und Reichen. Dort leben die Armen unter Verhältnissen, die für einen Europäer schwer vorstellbar sind. Baracken, Wellblächverschläger, windschief gemauerte Hausgerüste – so sehen die Behausungen aus. Drumherum Chaos, Müll und im Wind wehende Wäsche und immer den Blick auf die Hochhäuser von Palermo gerichtet.
Ja, auch das ist Südamerika…

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Fotos – La Boca, 12.10.2013

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