Me encanta el mar – ein Wochenende am Meer

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Nach drei Wochen in der Haupstadt bin ich am Wochenende erstmals so richtig raus gekommen. Mit dem Bus gings 5h immer gerade aus Richtung Süden, nach Mar del Plata, DER Urlaubsdestination für gestresste Portenos.

Bus fahren ist hier so wie mit dem Zug reisen in Europa, zum Teil fühlt es sich am Busbahnhof sogar an wie auf einem Flughafen. Die Busse fahren in alle Himmelsrichtungen und 5 Stunden sind eigentlich gar nix – bei den Distanzen auch kein Wunder. Nach Cordoba ist man schon mal 10h unterwegs, nach Iguazu, wo ich Anfang November hinfahre auch so um die 18h. Aber dafür ist das Busreisen günstig und man kommt überall hin, auch wenn man dabei Frostbeulen davon trägt. Die Busse sind nämlich so runter gekühlt, dass Schal und zwei Jacken unerlässlich sind! Die Sitze sind zum Teil bist zum Bett verstellbar, was für lange Fahrzeit auch praktisch ist. Auch wenn ich wieder mal festgestellt habe, dass ich in jeglicher Position schlafen kann. Das kam mir auch dieses Wochenende zu Gute, da ich die meiste Zeit ganz einfach meinen versäumten Schlaf von zu viel Fiesta nachgeholt habe.

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Mar del Plata ist eigentlich wie für uns Lignano. Der Strand ist zur Hauptsaison, die im nächsten Monat beginnt, dicht besiedelt von Badehäuschen, Schirmen und Liegestühlen. Das Meer ist zum rein Gehen seicht und von daher auch nicht türkis-blau. Aber dennoch ist es herrlich sich die Meeresbrise um die Nase wehen zu lassen, den Surfern zu zusehen (und es am liebsten selbst zu probieren wobei das Wasser einfach viel zu kalt ist), den zig Longboardern und Läufern am Gehsteig auszuweichen oder mitten im Gewusel im Park zu chillen. Der Lifestyle hat was – alles ist viel relaxter als in der Hauptstadt, einfach, weil eben das Meer vor der Haustür liegt.

Ein markanter Unterschied zur europäischen Mentalität wird mir nach und nach immer bewußter. Es ist wohl auch eine sehr persönliche und subjektive Wahrnehmung, allerdings nicht nur meine, wie ich festgestellt habe. Die Menschen hier sind nicht nur weit aus entspannter, sondern auch wesentlich positiver eingestellt. Probleme werden weniger bejammert als dass man über Lösungen nach denkt. Eine typische Aussagen, die mir ein Argentinier gesagt hat:

Al mal tiempo buena cara.

Bedeutet so viel wie: Wenn die Zeiten schlecht sind, sollte man ein nettes Gesicht machen. Europäisch negativ übersetzt: Gute Miene zum bösen Spiel machen. Aber genau da fängt es an: Hier halten die Menschen zusammen. Freunde sind gleich zu stellen mit Familie, und die steht an aller erster Stelle. Man hilft sich, denkt an die anderen anstatt die Ellbogen auszufahren und immer gleich etwas negatives hinter einer helfenden Geste zu vermuten. Beispielsweise habe ich einen alten argentinischen Freund kontaktiert. Er lebt in Bariloche und das erste was er gemacht hat, war mich mit seinem Freund in Buenos Aires zu connecten, der mir widerum die Stadt zeigt. Und wenn ich ihn frage, wo wir uns treffen meint er: Hey easy, mach dir keinen Kopf, ich hol dich sowieso ab.
Im Zusammenleben mit meiner argentinischen Wohnungskollegin stelle ich auch viel Gemeinschaftssinn fest. Hilfsbereitschaft, und zwar sehr ehrlich gemeinte, ohne jegliche Forderungen, ist hier ganz üblich. Vielleicht ist es auch genau diese Einstellung, der Optimismus obwohl es dem Land eigentlich überhaupt nicht gut geht, die Kreativität mit Problemen umzugehen, die es ausmachen, dass ich mich hier so extrem wohl und wie daheim fühle.

Aber wie gesagt – dies sind nur persönliche Eindrücke, gesammelt in den letzten Wochen… there is more to come!

Fotos, Mar del Plata – 19/21.10.2013

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