Patagonien – Von Torres del Paine nach El Chalten und El Calafate

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Punta Arenas ist der südlichste Punkt unserer Reise. Ziel in Chile ist der Nationalpark rund um den Torres del Paine, in dem man mehrtägige Trekking-Touren machen kann.

Als Ausgangspunkt dient Punta Arenas. Wobei wir nur den Flughafen der Stadt sehen. Mit viel Glück und ein bisschen Charme, halte ich den Bus nach Puerto Natales noch auf und besser als man es je planen hätte können, gehts direkt die drei Stunden und knapp 250km Richtung Norden. Da wir so viel „geplant“ haben, steht am Terminal in Puerto Natales auch erst mal Recherche am Programm. Wie kommt man am Besten in den Nationalpark Torres del Paine, der noch mal 190km entfernt ist, wir stellen fest, dass man in der Hochsaison schon Tage im voraus den Bus nach El Calafate buchen muss und die Herberg-Suche stellt sich auch als schwierig heraus. Mit einem 15kg Rucksack durch den windigen Ort hatschen, das Ganze um 10 Uhr am Abend, mit knurrendem Magen ist auch nicht grad die beste Abendbeschäftigung. Der Plan: In aller Früh mit dem Bus in den Nationalpark fahren, die Torres aus der Nähe besichtigen und in einem Refugio schlafen. Das heißt auch: Mini Gepäck. Alleine diese Entscheidung stellte sich als goldrichtig heraus. Schnell war nämlich klar: hier handelt es sich um Abenteuer-Tourismus der Sonderklasse!

Die letzten Abenteurer unterwegs zum Torres del Paine in Chile

Der Nationalpark Torres del Paine liegt im Süden Chiles und ist ein Teil Patagoniens. Im Norden grenzt der Nationalpark an Argentinien, wo der Parque Nacional Los Glaciares anschließt. Die Nationalpark-Fläche umfasst 2420 km². Er ist durchzogen von bis zu 3000m hohen Bergen, Gletschern, Fjorden und großen Seen.

Um 7 Uhr in der Früh gehts am Terminal in Puerto Natales richtig rund. Menschenmassen drängen sich zu den Bussen, Outdoorausrüstung der Extraklasse türmt sich zwischen bewegungswilligen Touris aus aller Herren Länder. Mitten drin stehen wir und beobachten das Treiben belustigt, erstaunt und irgendwie auch betroffen. Nach dem alle im Bus verfrachtet sind, inkl. Gepäck geht es am Anfang des Nationalparks mit dem Wundern weiter. Planmäßig wird man durch die Prozedur zum Eintritt in das Outdoorerlebnis gelotst: Vortrag im Bus über die „Einreise“, Step 1 – Eintrittsformular inkl. Unterschrift, dass man die Regeln und Rechte des Parks akzeptiert, Step 2 Formular abgeben, Step 3 zahlen, Step 4 Erläuterungsvideo anschauen – dann hat man es geschafft. Mit unseren leichten Rucksäcken sind wir schnell auf und davon und überholen Karavanen von Menschen, die wie es scheint ihren halben Hausrat in den Nationalpark schleppen. Leichtfüssig gehts dahin und wir zerschmettern die angegebenen 4,5h mit einer Zeit von 2h40min relativ easy inklusive Fotopausen. Noch dazu haben wir das geniale Glück, die Torres unverhüllt in ihrer vollen Pracht vor Augen zu haben.

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Schon ganz schön „impresionante“ (beindruckend). Kurzerhand entschließen wir uns die lt.Karte 4,5h Rückweg zum Ausgangspunkt plus eine weitere Etappe von 4,5h zum angepeilten Refugio (11km) direkt zu machen. In Wirklichkeit sind wir 4 Stunden insgesamt am Weg und legen an diesem Tag scharfe 33km per Pedes zurück. Danke dem lockeren Schuhwerk!
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Beim Refugio kann ich nur noch ungläubig den Kopf schütteln: die Abenteuer-Touristen sind inzwischen nämlich auch mit ihrem Gepäck angekommen, allerdings von der „einen“ Etappe. So um die 8h Fussmarsch haben alle intus, dementsprechend fertig sehen auch alle aus. Der Höhepunkt meines Erstaunens ist allerdings die „Reception“ für den Campingplatz. Da muss man als Trekker tatsächlich einchecken und bezahlen. Dafür gibts ein Plumpsklo, einen Zeltplatz mit vielen Gleichgesinnten gleich neben dem Weg, an dem die Schaf-, ärh Menschenherden vorbei wandern.
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Ich nehme die zweite Tür, die zum Refugio. Gemütlich ist es in der „Hütte“, ein Ofen wärmt den Raum, aus der Küche duftet das Essen und am Tisch steht der Wein. Den geliehenen Schlafsack installiere ich im sauberen Dormitorio auf meinem Bett bevor es zum gemütlichen Ratscher beim Abendessen mit einer Gruppe Brasilianern geht. Draußen werden die Gaskocher angeheizt und ich frag mich „Ist das echt ein Abenteuer?„. Klar, man kann schon Kosten sparen, aber man spart damit auch beim Spaß – zumindest für mich. Es ist doch lustiger leichtfüßig über Stock und Stein zu springen, ohne Schwergewicht. Zelten ist auch eine feine Sache. Wenn man alleine mit sich und der Natur ist, wenn man den nächsten Bach zum Zähneputzen nutzt und wenn man eben sonst auch keinen Möglichkeit hätte, zu übernachten. Der „Abenteuer“-Camper, der in den Nationalparks in Patagonien unterwegs ist, der ist mit „Sicherheitsnetz“ unterwegs. Das hat für mich wenig mit Abenteuer zu tun, als mehr mit dem Verkauf eines Erlebnisses, das perfekt geplant ist, bei dem nichts Unerwartetes passieren kann. Es gibt doch auch tatsächlich Gruppen, die mit Guide unterwegs sind – wobei es jeweils genau einen Weg gibt.

Ich bin ziemlich froh, als wir am nächsten Tag relativ zügig die Etappe (angeschrieben 5h, gemacht in unter3h) zur Bootsanlegestelle zurück legen um dann im Bus mit lauter duftenden, erschöpften Wandersleuten zurück nach Puerto Natales gekarrt werden.
Versteht mich nicht falsch: die Natur, die Berge – alles großartig und auch richtig schön. Meine Vorstellung von Trekking und Camping in der Natur ist einfach eine andere. Und ich freu mich schon wieder auf die Berge daheim, wo man einfach alleine unterwegs ist!

El Chalten – Fitz Roy & Cerro Torre

Zurück in Argentinien geht es vorerst über El Calafate nach El Chalten. Die beiden Retorten Bergsteigerstädtchen sind erst in den letzten 20-30 Jahren entstanden und bedienen die naturhungrigen Touristen bestens. Ein Outdoor-Geschäft reiht sich an das nächste, Restaurants, Tour-Veranstalter – es gibt für die Touris eigentlich alles. El Chalten ist der Ausgangspunkt für den Fitz Roy und den Cerro Torre und dabei noch das gemütlichere, chilligere Dorf. Wir haben das unglaubliche Glück, gleich bei der Ankunft alle Spitzen unverhüllt zu sehen – was in den darauf folgenden 4 Tagen nicht mehr der Fall sein sollte. Von El Chalten aus erkunden wir die Gegend und hatschen auch die 22km zum Fitz Roy und zurück. 20140213-111343.jpg

Auch hier begegnen uns einige Camping-Menschen, die allerdings entspannt in einem Waldstück am Fuße des Fitz Roy ihr Lager aufschlagen – ganz ohne Check-In, Klo oder sonstigen Einrichtungen. Der Wind pfeift einem hier schon ganz schön um die Ohren, die Wolken ziehen schnell und das Wetter ändert sich im Minutentakt. Es ist kälter als im südlicheren Torres del Paine Park und ich bin nicht beleidigt, dass überall gut eingeheizt wird.

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Wieder zurück in El Calafate buchen wir die „Alternative Tour“ zum Perito Moreno Glacaiar, von der ein Schweizer Hostel-Bekannter geschwärmt hat.

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Die Tour ist echt nett, mit einer kleinen Wanderung, die sie zur „alternative“ Tour macht. Aber der Gletscher ist einfach atemberaubend! Die Mächtigkeit des Eises und die Langsamkeit, mit der sich diese Masse weiterbewegt, sind einfach irre. Wir verharren minuten-, nein, fast stundenlang auf einem der Balkone, der Aussichtspunkte, die sehr nahe an den Gletscher heran reichen (so nahe wie man sonst zu keinem Gletscher dieser Größenordnung kommt). Wenn das Eis bricht, hört man nichts, erst wenn es mit einem lauten Klatscher im Wasser landet. Aus dem Grund beobachten wir wie die Haftlmacher die Eiswand vor uns. Und tatsächlich dauert es nicht lange, und ein riesen Brocken setzt sich in Bewegung. Ein ohrenbetäubender Tusch gefolgt von einer Flutwelle sind das Ergebnis des Abrisses.

Für Bernd endet die Reise leider hier und während er nach Hause fliegt, fliege ich Richtung Norden, nach San Carlos die Bariloche. Die Gegend wird auch argentinische Schweiz genannt. Wobei eigentlich sieht es hier aus wie daheim! Nur die Seen sind größer. Aber die Hotels hier heißen „Tiroler“, es gibt überall selbstgebraute Bierspezialitäten, und die Häuser sehen fast aus wie in Österreich. Die nächste Zeit erkunde ich diese Gegend, verbringe viel Zeit mit meinem alten Freund Leo und seiner Freundin und akklimatisiere mich schön langsam. Denn hier ist es wie bei uns im September. Es wird schon wieder Zeit für einen Ortswechsel, Richtung Sommer…

Fotos, Patagonien 27.1. -9.2.2014


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