Reiseziel Kolumbien – zum Kiten und Spanisch Quatschen

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Der Südamerika Bazillus lässt mich nicht mehr los! Im Sommer stand noch Philippinen und Vietnam auf meiner Reiseliste für Dezember. In Mexiko habe ich dann so viel positive Geschichten über Kolumbien gehört, dass ich nach einem kurzen Google-Check („Kolumbien Kitesurfen“) kurzerhand umdisponiert habe.

Entsprechende Recherche und einige ausführliche Gespräche mit anderen Reisenden und argentinischen Freunden waren für mich notwendig, denn ganz so ohne ist Kolumbien jetzt auch wieder nicht. Zwar ist das Land in den letzten 10 Jahren so socher geworden, dass man sich in weiten Teilen als Tourist gut bewegen kaimagenn, jedoch sind schon einige Punkte zu beachten.

Ist Kolumbien gefährlich?

Das merke ich auch, als ich zwei Tage vor meinem Abflug mit meinem kolumbianischen Arbeitskollegen Daniel spreche. Der schüttelt nur den Kopf, wie ich alleine nach Kolumbien reisen kann. Vollkommen besorgt verbringt er den Abend damit, mich mit seiner Familie und Freunden zu connecten. Und mein reserviertes Hostel in Bogota lässt er mich gleich wieder absagen. Vor jeder größeren Reise bin ich sowieso schon immer etwas angespannt, Daniels Feedback lasst mich jedoch noch unruhiger schlafen. So bin ich echt froh, endlich ins Flugzeug zu kommen und von München via Madrid und Miami schließlich in Bogota zu landen. Natürlich weiß ich, dass man nur die offiziellen Taxis nehmen soll und sich vorher eine Preisempfehlung ausdrucken soll – natürlich zahle ich dann irgendwie doch das Doppelte, wie ich am nächsten Tag feststellen muss. Diese dauerende Gefühl, betrogen zu werden, soll mich wohl nicht mehr so schnell los lassen. Hundemüde checke ich bei Onkel und Tante meiners Kollegen ein und bin ihnen einfach nur unendlich dankbar für ein großes, warmes Bett und eine heiße Dusche. Bogota empfängt mich mit Regen. Luisa, eine Freundin meines venezuelanischen Bekannten Rob aus Buenos Aires, holt mich ab und wir kurven und schwimmen durch das sonntägliche und daher recht ruhige Bogota. Sie zeigt mir La Candeleria, ein buntes Viertel mitten im „echten“ Bogota, las Caleras bietet an dem Tag viel Nebel und wenig Aussicht, dafür schmeckt dann in „La Rosconeria“  in Usaquen Kuchen und Kaffee um so besser. Luisas Fahrstil ist so richtig leidenschaftlich und chaotisch wie man es sich nur in Südamerika vorstellen kann. Ich lache Tränen mit ihr und freu mich unheimlich, so eine coole Reiseführerin zu haben!

Wie reisen?
Ich bin gerne mit Einheimischen unterwegs, vermeide jeglichen touristischen Angebote (normalerweise) und versuche so gut es geht, den Alltag und die Menschen, die ich auf meinen Reisen kennenlerne, zu verstehen. Meine Offenheit und Neugier, aber besonders das Quatschen mit den Menschen, genau das hilft, so unterwegs zu sein wie ich das bin: mit Luisa in Bogota, Daniels  kolumbianischer Family – ich lerne Kolumbien vorerst ganz anders kennen, als ich gedacht habe. Mein Spanisch ist zwar nicht gut, aber auch hier hilft meine unermüdliche Begeisterung, spansich zu quatschen, mit den Leuten sich auszutauschen, Geschichten zu hören, zu fragen – einfach eine großartige Art und Weise „unterwegs zu sein“. Schon in Argentinien hatte ich das Glück, viel Zeit bei Freunden und deren Familien zu verbringen – einfach genial, denn „meine“ südamerikanische Familien sind offen und sehr, sehr herzlich.

Reiseplannung oder spontan sein?
Da ich bei meinen Reisen eher spontan bin bzw versuche immer genug offen zu lassen, ist es auch eine geschwinde Entscheidung gewesen, Daniels Eltern in Medellin zu besuchen. Eigentlich hatte ich die Stadt, die die zweitgrößte in Kolumbien ist (rund 2,5 Mio Einwohner einer Höhe von 1500Hm), nicht ganz so am Radar. Der Flug Bogota – Medellin dauert gerade mal eine Stunde und kostet rund 50 Euro – und irgendwie entscheide ich spontan und nehme die Einladung in die Provinz Antioquia an. Medellins Einwohner rühmen sich, das ganzen Jahr frühlingshaftes Klima zu haben. Tatsächlich ist es herrlich mild und ich schaffe es gleich am ersten Tag, mir einen Sonnenbrand zu holen. In Poblado sind nicht nur alle Hostels undjede Menge Bars und Restaurants, hier, am „Berg“ oben, wohnt Daniels Familie in einem Appartmenthaus, das strengstens bewacht wird. Das ist hier so üblich. Überhaupt sind überall Unmengen von Polizisten zu sehen, was mir jedoch weniger das Gefühl von Sicherheit, als mehr von Unsicherheit gibt. Normalerweise bin ich kein Fan von Touribusen – hier fahre ich die Stadt jedoch mit einem Touristenbus ab. Eine gute Möglichkeit, endlich entspannt Fotos zu machen. Reich und Arm – hier sind die Grenzen sehr nah beieinander. Hier ein modernes Headquater, gleich dabeneben brechen die Häuser fast zusammen oder die Menschen hausen überhaupt auf der Strasse. Ich kenne die Bilder aus Buenos Airea, aus Valpariso oder aus Rio, dennoch kann ich mich hier an diese krassen Unterschiede so gar nicht gewöhnen. Noch sichtbarer werden die sozialen Unterschiede, wenn man mit der Gondel über das Viertel Santo Domingo schwebt. Je höher man kommt, desto einfacher werden die Behausungen. Auch mi Stadtzentrum bin ich überwältigt von der Masse an Menschen, dem Geräuschpegel und dem chaotischen Treiben. War ich in Argentinien gar nicht so auffällig mit meinen blonden Haaren – hier leuchte ich geradezu heraus. Entweder werde ich als Gringo oder US Girl in gebrochenem Englisch bezeichnet oder klassisch, als „linda chica“, der man(n) hinter her pfeift.

Morgen geht es weiter an die karibische Küste, nach Cartagena. Angeblich verstehen dort die „Paisas“ (Einwohner von Medellin und der Region Antioqua) nicht mal das Spanisch der Locals. Ich werde mich schon irgendwie durch schlagen! ;)

Fotos, Bogota & Medellin – 7.-10.12.2014


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