Roadtrip auf der Ruta 40 in Argentinien

20131205-110621.jpgDer Norden Argentiniens hält mich gefangen. Die unendlichen Weiten, ständig wechslende Landschaften und vor allem die Berge – außerhalb vom Himalaja die höhsten Erhebungen der Welt – begeistern mich, werfen mich um!

Nach zwei, mehr oder weniger, ruhigen Tagen in Iruya geht es wieder zurück in die „Zivilisation“, zumindest fühlt es sich so an. Nach einem 4,5 Stunden Trip über Rumpelschotterstrassen gehts via Humahuaca, Tilcara weiter nach Purmamarca. Der kleine, idylische Ort hat nicht nur ein grandioses Farbenspiel seiner Erhebungen zu bieten, sondern ist auch Ausgangspunkt für die Grand Salinas. Nach dem ich das bolivianische Gegenstück von meiner Route gestrichen habe, möchte ich zumindest die kleine Salzwüste auf argentinischer Seite besuchen. Dank netter, kostenloser Mitfahrgelegenheit mit Schweizer Urlaubern „erledige“ ich den Besuch recht rasch. Die Landschaft ist beeindruckend, der Salzabbau überschaubar und die klassischen Fotos mittels Selbstauslöser sind schnell im Kasten. Ein kurzweiliger Ausflug, der vorerst meinen Besuch in der Quebrada abrundet.

Einen Nachmittag grübeln und recherchieren später, beschließe ich mit meinem argentinischen Reisefreund den Nationalpark Calilegua in der Yunga zu erkunden. Über Jujuy gehts mit dem Collectivo (öffentlichen Bus) nach Libertador de San Martin, einem Ausgangspunkt für den Park. Zu später Stunden kommen wir bei drückender, schwüler Hitze an. Die Nacht wird auch nicht besser, denn in dieser Umgebung fühlen sich Moskitos besonders wohl. Ich glaub ich hab meinen Bedarf an Mückenstichen in dieser Nacht für die nächsten 10 Jahre erledigt! Am Morgen die nächste Überraschung: es regnet. Dennoch gehts Richtung Nationalpark – per Taxi über die mehr oder weniger Müllhalde des Ortes. Ja, man merkt hier schon, dass man im tiefsten Südamerika angekommen ist und es andere Prioritäten gibt. Der Park, beheimatet Jaguare und Pumas, die frei herum laufen und vor denen ein Schild mit Verhaltensregeln im Falle eines Zusammentreffens warnt. Auch nicht schlecht! Zum lauschigen Treffen kommt es allerdings dann doch nicht – leider oder Gott sei Dank?!
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Und wieder ist alles anders als geplant. Der Bus fährt drei Stunden verspätet nach Salta. Ein sauberes Bett, eine Dusche und eine Gelsenlose Nacht später steht einmal Wäsche waschen am Programm. Die Bedürfnisse auf so einer Reise reduzieren sich auf das Wesentliche und es erstaunt mich, mit wie wenig man eigentlich auskommt. Außerdem checken wir ein Auto und wieder mal taugts mir, dass ich mit einem Local unterwegs bin. Da geht das Verhandeln gleich viel leichter. Und was ich mir schon gedacht hab, bestätigt sich: meine deutsche Mitfahrgelegenheit hat mich ordentlich ausgenommen, denn statt 800 Pesos pro Tag (was sie angeblich gezahlt haben) zahlen wir nur 300. Tja, da sieht man, wo die Schlitzohren daheim sind.
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Nach einer feucht fröhlichen Nacht mit viel Fernet Coka und Reunion mit Alex „le boeuf“, unserem französischen Reisefreund, gehts mit Kopfweh am Samstag Nachmittag Richtung San Antonio de los Cobres. Wir schrauben uns mit unserem klapprigen Renault Clio über staubige Schotterstrassen hinauf auf über 4000 m Seehöhe. Die schlaflose, alkoholische Nacht tut ihr übriges dazu, dass wir schwindelig in der Höhe stehen und staunend, leicht schwankend die Landschaft betrachten. Auf 3780m liegt das kleine Örtchen San Antonio eingebettet in eine karge Landschaft. Einfache Häuser, Autos, die bei uns nicht mal mehr auf dem Schrottplatz zu finden wären und gähnende Leere begrüssen uns, denn es ist Nachmittag und damit Siesta. Erst gegen Abend kehrt reges Treiben im Ort ein. Meine Reisekollegen beschließen hinter der Kirche zu campen, ich check in einem Hostal ein. Ein kleines Mädchen, 8 Jahre, zeigt mir mein Zimmer, erklärt mir alles – ich staune nicht nur über das Mädchen, sondern auch über eine einfache aber saubere Unterkunft. Am „Campingplatz“ gabeln wir einen weiteren Reisekollegen auf. Luciano ist 31, Lehrer und reist seit 8 Monaten mit einem Mini-Budget (weniger, als ich in meinen zwei Wochen brauche) durch sein Heimatland.
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Die Höhe macht mir mehr zu schaffen als gedacht. Schließlich schlafen wir auf der Spitze des Großglockner. Kopfweh, Schwindel und nicht all zu viel Appetit machen den Aufenthalt etwas unangenehm. Den Kreuzweg krieche ich auf allen Vieren keuchend hinauf. Übrigens im wahrsten Sinne des Wortes „ein steiniger Weg“, mit Felsbrocken mitten auf der Strecke und ordentlich steil. Eine Runde Oxygen im Hospital später, gehts mir deutlich besser. Interessanterweise kostet mich dieser Besuch genau nichts. Nur mein Name, Alter und Herkunftsland wird in einem Buch notiert. Spannend, denn ansonsten wird selbst beim Busticketkauf immer die ID Nummer verlangt. Ich bin froh, dass wir weiterfahren um wieder von der Höhe runter zu kommen. Am Weg geht es jedoch noch einmal auf knapp 5000m, auf den Pass Abra del Acay. Ich bin ja immer dabei, wenn es darum geht auf den Gipfel zu sausen. Aber diesmal bewegt mich echt rein gar nix, die magischen 5000 zu erklimmen, auch wenns nur wenige Meter sind. Lieber sauge ich die Umgebung und das Gefühl ein.

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Am Weg begegnen uns neben Lamas und Ziegen auch jede Menge Bäche, die unser Clio suverän meistert. Mate macht regelmäßig die Runde und aus dem Grund brauchts auch immer mal eine Nachfüllung der Thermoskanne mit heißem Wasser. Auf der Suche danach entdecken wir eine Fiesta in einem Ort mitten im Nirgendwo zwischen San Antonio und Cachi. Nicht nur mir fällt die Kinnlade runter bei dem Anblick. Ich werde mindestens genau so angestarrt. Die „Band“ dudelt von einem Wagen herunter, die „Gauchos“ steigen mehr oder weniger gerade herum und tanzen mit den Mädls, dass der Staub nur so herum wirbelt. Zahnlos grinsen mir Männer entgegen während sie die nächste Packung Wein öffnen. Dazwischen wuseln Kinder und Hunde herum, die Haustüren der angrenzenden Häuser sind alle offen und drinnen stehen Töpfe mit Suppen, Asado Reste und viel Bier. Meine Reisefreunde sind das Highlight und quasseln mit den Locals. Mich spricht niemand an – ich bin ja eine Frau! – und ich verzieh mich lieber auf einen Hügel und beobachte das Treiben und die Umgebung aus der Ferne.
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Cachi zum zweiten Mal innerhalb von zwei Wochen gefällt mir auch diesmal. Vor allem, weil die Temperaturen merklich gestiegen sind und man auch auf 2800m am Abend noch mit Tshirt drauen sitzen kann. Nach drei Tagen on the Road trudeln wir am Montag rechtzeitig zum Manu Chao Konzert in Salta ein. Der Staub der Ruta 40 hat sich in jede Ritze meines Rucksacks geschlichen, meine Klamotten, meine Haare – alles überzogen von einer feinen Schicht grau. Da hilft nur viel Wasser! Das Manu Chao Konzert ist ein würdiger Abschluss für eine geniale Reise im Norden von Argentinien. Ich habe viele, viele herrliche Eindrücke gesammelt, geniale Momente erlebt, neue Freunde gefunden, eine tolle Gemeinschaft erlebt und mich noch mehr in dieses Land verliebt.

Mein Fazit: Schaut in Argentinien nicht nur nach Patagonien. Es gibt gewaltig schhöne Spots im Norden – noch dazu preislich viel günstiger!

Roadtrip Ruta 40, 30.11.2013

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