Yoga und Tango für bewegungssüchtige Porteños

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Meine erste Woche in Buenos Aires liegt hinter mir. Ich habe das Gefühl, schon mindestens einen Monat in der Stadt zu sein und das hat mehrere Gründe: Ich habe mich schnell an den typischen Puls einer Großstadt gewöhnt.

Die tägliche Einheit von 4 Stunden Sprachschule geben dem Tag eine gewisse Struktur und mir kommt es vor, ich gehe in die Arbeit. Spanisch lernen ist ja auch Arbeit, harte Arbeit! Nach 5 Tagen mit einem Pivatlehrer merke ich allerdings auch schon erste Erfolge! Die Nachmittage verbringe ich damit, die Stadt zu „erhatschen“ und das Lebensgefühl mit all seinen Eigenheiten wahrzunehmen, spanische Vokabeln zu pauken, für mein Fernstudium zu lernen und meine Leseliste (aktuell „Let my people go Surfing“ von Yvon Chouinard, dem Founder von Patagonia). Oft mache ich das in einem der netten Cafés, die gleich um die Ecke liegen. So wie gerade jetzt, denn Wifi hat hier jedes Lokal.

Yoga Booty Ballet

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Neben der Auslastung meines Kopfes, bin ich auch körperlich aktiv, und das, obwohl in einer Stadt wie Buenos Aires wenig Natur zum sporteln ist. Die Städter („Porteños“) haben andere Methoden, um „Dulce y Leche“ abzuarbeiten und in meinem Erkundungsdrang, mache ich es ihnen gleich. „Dulce con Leche“ sind übrigens Süß-Speisen – Kuchen, Torten mit extrem viel Zuckerguss und Creme – wahre Bomben! Tracey, mein Bike-Guide, hat mich am Mittwoch also zu einer Yoga-Stunde mitgenommen. Ähnlich zu Europa sind hier an jeder Ecke Yoga- und Pilates Studios zu finden. Von „Yoga Boot Ballett“ habe ich allerdings noch nie gehört. Diese Variante kommt aus Kalifornien und ist, wie könnte es anders sein, besonders geeignet, um Kalorien zu verbrennen. Man ahnt schon, mit dem Yoga, wie ich es in Sri Lanka praktiziert habe, hat dies wenig zu tun. Es beginnt mit Meditation und einführenden Worten. Die Yoga-Lehrerin ist eine quirlige Argentinierin, die von einem Ohr zum anderen grinst und sehr viel und schnell sprechen kann. Danach gehts los: lauter, grooviger Sound, dynamische, schnell Bewegungen zwischen Aerobic und Dancing, eine Gruppe motiviert herum hüpfender und schwitzender argentinischer Mädls und mittendrin ich. Es macht richtig Spaß und südamerikanische Lebensfreude ist spürbar. Nach 45 Minuten kommt der Drill-Instructor. Situps im Rhythmus der schnellen Musik, harte und immer schneller werdende Bauchmuskel-Übungen lassen die Köpfe rot werden. Am Ende der 1,5 Stunden Einheit kommt dann doch noch ein bisschen Yoga – Sonnengruß und finalmente: Entspannung. Eine unkonventionelle Yoga Stunde, die mir so extrem Spaß gemacht hat, dass ich die restlichen 4 Wochen Mittwochs weiter die Stunde besuchen werde. Den Muskelkater spüre ich übrigens noch heute! Ein sehr cooles Video inklusive Bericht gibts übrigens auf Traceys Blog.
In meiner Spanisch-Schule – eigentlich ein Intercultural Club – gibts übrigens neben unterschiedlichen Aktivitäten (z.B. Tango tanzen, Argentinische Filme etc.) auch Yoga. Heute habe ich nach 4 Stunden Spanisch mit meinem Lehrer noch eine Stunde Yoga gemacht. Ideal, da kann man die Vokabeln gleich üben, denn die Anweisungen erfolgen natürlich ausschließlich auf Spanisch. Hä?! No comprendo nada! ;)

Tango Argentino

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Eine andere, extrem beliebte Form der Bewegung ist das Tango Tanzen – no na. Mit einer Schweizer Sprach-Schulkollegin tauchte ich in die Leidenschaft dieses Tanzes ein. Zumindest sah ich zu, wie sich andere entweder abmühten, die Schrittfolge zu erlernen und andere über die Bretter schwebten. „La Catedral“ ist eine der Tango-Institutionen in Buenos Aires. Ein besonders unkonventioneller Platz, ähnlich eines großen Heustadls mit viel schräger Kunst am bröckelnden Mauerwerk liegt der Tango Club mitten in Almagro, einem Viertel, das an Palermo anschließt. Die Boden Bretter sind abgeschunden und zeugen von unzähligen Tanzstunden, das bunt zusammengewürfelte Mobiliar hat seine besten Zeiten schon lange hinter sich, die Tische wackeln und die Bar sieht so aus, als würde sie gleich zusammen brechen. Und dennoch kann man sich dem Flair dieses Ortes nicht entziehen. Die Szenerie unterstreicht ein Menschengroßes, in der Luft schwebendes Kunstwerk in Form eines tiefroten Herzen. Ich tauche ein in die Tango Musik und verfolge staunend die Tänzer.

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Dass Argentinischen Männer sehr direkt sind, wußte ich bereits. An diesem Abend erlebe ich es erstmals live. Vom anderen Tisch kommt die direkte Ansage „Chicas“ und schon gehts los mit vielen Worten und Gesten und Überzeugungsversuchen, uns auf die Tanzfläche zu bewegen. Wir sagen direkt nein. Zumindest bin ich jetzt sicher, dass ich nicht der Tango-Mensch bin. Viel zu wenig Freestyle. Aber sehr, sehr cool zum Ansehen! Ich werde die anderen „sportlichen“ Aktivitäten der Portenios weiter unter die Lupe nehmen!

Und weil ich jetzt nach einer Woche Stadt doch Lust auf ein bisschen Natur habe, gehts morgen hinaus, nach Tigre, zur Mündung des gleichnamigen Flusses. Hasta la próxima!
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